Sanierung eines Fachwerkbalkens

Kurze Heimatgeschichte und Heimatkunde zum Neubau Apothekenstr. 2 im Jahre 1832

Das Lebensquell-Haus wurde 1832 erbaut.

 

Es handelt sich um ein ehemaliges Brauhaus, zur damaligen Zeit waren etwa 42% der neu erbauten Häuser in Duderstadt Brauhäuser, mit einem großen Torbogen auf der rechten Seite, um die Pferdekutschen mit den Bierfässern einzulassen. Hopfen und Malz wurde in dieser Region sehr oft angebaut und gleich vor Ort zu Bier gebraut.

Die Funktion des Hauses wurde schon vor vielen Jahren verändert, diverse Umbauten wandelten es im Laufe der Jahre in ein Handelshaus, mit einem Ladenlokal im unteren Stockwerk und Mietswohnungen in den oberen Etagen.

 

Eine Großsanierung von Hermann und Ursula Freckmann in den Jahren 1991 bis 1992 vergrößerte das Ladenlokal auf insgesamt 180m², der ehemalige Innenhof wurde dabei in die Laden-Fläche integriert. Von 1991 bis 2008 befand sich dort ein Spielwarengeschäft, danach ein Einzelhandelsgeschäft mit breitgefächertem Sortiment. Im April 2014 zog der Lebensquell dort ein.  

Beginn der Arbeiten am 13.08.2018

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Die Apothekenstraße wurde im Laufe der Jahrzehnte bei Straßensanierungen (versehentlich) angehoben, ohne zu beachten, dass dabei die Sockel der Häuser teilweise in der Straße versanken. So konnte Spritzwasser in den unteren Balken eindringen, was diesen im Laufe der Zeit zum Faulen brachte, der gemeine Nagekäfer (Anobium punctatum), im Volksmund auch „Holzwurm“ genannt, tat sein Übriges und gab dem Gebälk den Rest. Sanierungszuschüsse werden innerhalb des Stadtkerns seit Jahren nicht mehr bewilligt. Somit wurde eine Genehmigung vom Denkmalschutzamt erwirkt, damit die Sanierungsarbeiten nach Vorgabe beginnen konnten.  

Hier sieht man im zweiten Bild oben, wie marode der unterste Balken des Hauses war, noch sieht man nicht, was sich dort alles drunter verbirgt und wir waren gespannt, was die Öffnung zutage bringt. Links unten sieht man, wie eine Staubschutzwand im Innenraum aufgebaut wird, die Plastik-Plane wird übrigens wieder verwendet, versicherte mir der Chef der Fa. Stahl.

14. und 15.08.2018 Entfernen der maroden Balken

Die Schaufenster wurden vorsichtig entfernt und es wurde sofort mit massiven Balken abgestützt. Der marode Balken bröselte nur so dahin, wie im ersten Bild links zu sehen, da war gar nichts mehr zu retten, Alles musste raus. Kleine Einführung in die Holz-Werk-Kunde von einem Mitarbeiter der Zimmerei Grobecker, auf meine Frage, warum die Balken eigentlich nicht imprägniert werden: "Diese Stützbalken werden heute bauseits „gestoßen“, so nennt man es, wenn in Streifen geschnittene Holzbretter zusammen geleimt werden." Diese Vorgehensweise ergibt einen natürlichen Holzschutz ohne chemische Mittel, da die Holzwürmer sich dort, bedingt durch die Leimung nicht ansiedeln können. Von außen und für einen Laien ist dies auf den ersten Blick nicht erkennbar, nur eine kleine Rille auf dem Balken weist darauf hin, dass es sich um geleimtes Holz handelt (welches noch formstabiler ist als natürlich gewachsene Balken). 

15. und 16.08.2018 Entkernen und Abstützen 

Um die massiven Stütz-Balken einzubauen brauchte es kräftige Männer, diese wurden mit einem Vorschlaghammer und mittels Holzkeilen fest eingeschlagen und in die richtige Position gebracht. 

Auf den Bildern unten rechts sieht man die isolierende Glaswolle und die dampfabweisende Folie. Die Holzwürmer hatten sich durch die Glaswolle und durch eine isolierende Plastikfolie gefressen, um an den Balken zu gelangen. Allerdings konnten sie nur aktiv werden, wo das Eichenholz bereits geschwächt war durch Feuchtigkeit.

17.08.2018 Endlich Feierabend - sichern der Baustelle

Zum Feierabend wurde wieder alles ordnungsgemäß gesichert und zugenagelt. Mal schauen, wie es weitergeht.

20. und 21.08.2018 - Jetzt wird Eisen gelegt und eingeschalt...

... und am Abend wieder alles zugenagelt. Für die einzelnen Bauabschnitte braucht es immer einen Fachmann: Zimmermänner für das rausnehmen der Balken und für die Abstützung, Maurer für die Eisen-Bewährung, einen Tischler für die Verschalung - und einen Fachmann/eine Fachfrau, der/die diese ganzen Fachleute einteilen kann :). Das ist scheinbar dabei die größte Herausforderung, die Koordination der Facharbeiter, die schließlich auch andere Baustellen haben und möglichst rechtzeitig hier sein mussten, damit die aufeinander folgenden Termine sich nicht endlos verschieben. Bisher klappte das relativ gut, mit "nur" 2 Tagen Verspätung als geplant.

22.08.2018 Betonieren des Sockels

Alle Arbeiten bei dieser Sanierung waren mit Lärm verbunden, das Betonieren ebenfalls, denn ein Mini-Rüttler kam zum Einsatz, um den Beton vor dem Aushärten ordnungsgemäß zu verdichten. Das hat heute wunderbar (und schnell) geklappt, Vielen Dank an Firma Victor Stahl, den Chef Herrn Kaufhold und Herrn Burstyn, den Projektleiter.

03.09.2018 Wiedereinsetzen der Schaufenster

Nach dem 2 wöchigen trocknen des Betonfundaments, wurden heute die Stützbalken vom Zimmermann entfernt und die Schaufenster wieder eingesetzt. Die Hauptarbeit ist geleistet, jetzt werden nur noch Ausbesserung- und Malerarbeiten innen und außen vorgenommen, damit wieder Alles schön aussieht.

 

Das hat prima geklappt, ohne große Überraschungen oder unliebsame Verzögerungen. Alle Handwerker arbeiteten im vorgesehenen Zeit-Takt und Hand in Hand. Große Erleichterung bei mir, dass die Lärmbelästigung jetzt bald ein Ende haben wird und im Lebensquell wieder Ordnung geschaffen werden kann.

12.09.2018 Endspurt der Handwerker

Das sieht doch schon ganz gut aus...

Fachgerechte Prüfung und Ausführung der Sockelsanierung, sowie das Ausbessern der Gefache klappte prima. Innen wurde ebenfalls alles wieder hergestellt und die Staubschutzwand kam heute endlich weg - die Sonne ging wieder auf im Lebensquell und es wurde wieder hell. Jetzt wird nur noch gestrichen, dann ist alles fertig gestellt.

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