Ethik im Alltag

© Uta-Maria Freckmann 07.2017

 

Viele intelligente Menschen und Philosophen haben sich Gedanken gemacht über Ethik, und so entstanden im Laufe der Jahrhunderte auf beinahe jedem Wissensgebiet Überlegungen die helfen sollen, seine alltäglichen Aufgaben in Harmonie zu handhaben. Ethik ist auf vielen Gebieten ein wichtiges Thema, hier einige Beispiele:

  • Kommunikations-Ethik
  • Umwelt-Ethik
  • Bio-Ethik
  • Religiöse Ethik
  • Nichtreligiöse Ethik
  • Wirtschafts-Ethik
  • Politische Ethik
  • Medizinethik
  • Utilitarismus und andere Ethik-Richtungen

Für die Arbeits-Ethik, sowie für das Leben von Werten im täglichen Leben gilt: Wenn das Tun reflektiert wurde und auf ethischen Motiven und Absichten basiert, gibt dies jedem Mitwirkenden Sicherheit und bildet eine tragende Basis für Alle. Viele denken, dass Regeln, Gebote oder Leitlinien hinderlich sind und einschränken, womöglich sogar die Freiheit rauben, aber das Gegenteil ist der Fall – denn sie MACHEN FREI! Sie erleichtern das Leben, indem sie verhindern, dass man ständig unüberlegt oder unbewusst Ursachen legt für unangenehme Rückwirkungen im eigenen Leben, auch genannt schlechtes Karma. Wer jetzt nicht an Karma glaubt, kennt aber sicherlich den einfachen Leitsatz, dass man stets erntet was man sät und deshalb auf seine Saat achten sollte.

 

Ethik im Alltag umzusetzen, oder Liebe zu leben bedeutet, ein Leben zu führen welches in allem Geschehen durch innere Führung eine Mitte findet, eine Gratwanderung, die zwischen den beiden Extremen (Polaritäten) hindurch einen Mittelweg findet. Ein Leben im Einklang mit dem Schöpfungsgedanken zu führen heißt, vollumfänglich die Verantwortung zu übernehmen für alles was einem geschieht! Denn alles was man als Wirkungen erhält, dafür hat man irgendwann Ursachen gelegt, auch wenn dies unbewusst war, oder man sich momentan nicht daran erinnern kann. Dazu gehört intensive Selbstreflexion, die Bereitschaft, sich alles anzusehen was im Leben geschieht und allem mit Akzeptanz zu begegnen.

 

Im letzten Jahr erhielt ich die Gelegenheit, einen Lehrplan für das Fach Ethik auszuarbeiten und meine Erfahrungen zu diesem Thema einfließen zu lassen, um Altenpflege- Schüler bei ihrer verantwortungsvollen Aufgabe der Seniorenbetreuung zu unterstützen. Dabei machte ich die Erfahrung, dass Menschen, die mit ihren Interessen auf einer sehr persönlichen Ebene stehen, sich angegriffen fühlen, wenn sie mit den Grundsätzen der Selbstreflexion konfrontiert werden. Solche Gedanken wie „Wir ernten was wir säen“ oder „Die Welt ist ein Spiegel“ sind für manche eine Provokation gegen ihr bisheriges Leben – und so reagieren sie dann auch. So ist es möglich, dass mit Abwehr und Rebellion reagiert wird, wenn man die Eigenverantwortung für das Leben anspricht. Die alltägliche Umsetzung, sich selbst zu hinterfragen und seine Werte genau zu kennen und zu leben, ist nicht jedem möglich. Allerdings ist dies eine wichtige Voraussetzung für Mitgefühl und Akzeptanz, denn ansonsten werden Ärger, Zorn oder herausfordernde Situationen im Alltag, einen leicht aus der Bahn werfen können.

 

Mit der Vorstellung, dass alles was einem passiert auf einem unverständlichen „Schicksal“ basiert, auf das man keinerlei Einfluss hat und welches ständig wie ein Damokles-Schwert über einem schwebt und jederzeit zuschlagen kann wie und wann es will, kommen einige Menschen besser zurecht. Diese Auffassung lässt ihnen die Möglichkeit, ihre Maske aufrecht zu erhalten und zu verurteilen, sich selbst als gut und andere als schlecht zu bewerten und befreit sie von jeglicher Verantwortungsübernahme. Aber eigentlich macht diese Haltung unfrei, denn für mein Empfinden ist es eine große Chance, sein Leben selbst zu bestimmen und positiv darauf einzuwirken, auf etwaige Wirkungen besser vorbereitet zu sein, oder sich das was einem geschieht, ohne Groll besser erklären zu können.

 

Dies soll kein Vorwurf sein, denn es ist mir bewusst, dass dies ein evolutionärer Reifeprozess ist, dass alles seine Zeit hat und jeder nach seinem eigenen Zeitplan leben und lernen muss. Die Verantwortung für das eigene Leben vollumfänglich zu übernehmen, bedeutet einen Bewusstseinsstand zu erreichen, indem man reflektieren und sich selbst hinterfragen kann. Dass dies manchmal nicht leicht fällt, weiß ich selbst am besten, dass man Rückschläge hinnehmen muss und das sich manche Erfahrungen einfach nicht erklären lassen und man zeitweise ratlos dasteht, ebenfalls. Aber es hilft durchzuhalten auf seinem Weg der Befreiung, von unliebsamen Mustern, falschen Dogmen und althergebrachten Ritualen, die einem definitiv nicht mehr zusagen, oder die sich mit der Zeit überlebt haben.

 

Vorrangig hilft das „Spiegeldenken“ dabei, sein Leben neu zu ordnen, alte Gewohnheiten zu überdenken, eventuell alles umzukrempeln, denn das muss wohl sein, wenn man nicht auf der Stelle treten will. Denn belässt man alles beim Alten, werden auch die Resonanzen, (oder die Ernte) immer gleich ausfallen. Sich neu auszurichten bedeutet aber auch vermehrt Freude in das Leben einzuladen, sobald man registriert, dass es funktioniert und sich tatsächlich etwas ändert.

 

Eine Schülerin bemerkte einmal, dass Ethik-Unterricht ja wohl überflüssig sei in ihrem Alter, mit 40 Jahren wisse man ja wohl wo es langgeht – stimmt das? Ist ethisches Verhalten, oder ein guter Charakter abhängig vom Alter? Wie zeigt sich das eigentlich im täglichen Leben? Sind das Menschen die immer freundlich und zufrieden sind? Die immer lächeln? Die stets anderen helfen und immer zur Stelle sind, wenn es um Unterstützung der Mitmenschen geht? Die Frau, die ihrem Ehemann stets gut zuspricht, sich unterordnet und ihm gern Recht gibt?

Oder wie verhält sich ein Mensch, der unserer Meinung nach kein ethisch ausgerichtetes Leben führt? Ist das der Geizhals? Der Kriminelle, ewige Griesgram oder destruktive Charakter? Wie kritisiert man in einem ethisch einwandfreien Modus, ohne zu verletzen? Wo beginnt Ethik im Alltag und wo hört sie auf?

Diese Fragen zeigen sehr schnell, dass Bedarf besteht über sie zu reflektieren, denn als ewig lächelnder Moralapostel möchte man ja wohl nicht durchs Leben gehen - aber ehrlicher werden - seine eigene Meinung ruhig und ohne zu missionieren kundtun, das geht schon eher in die richtige Richtung. „Nein“ sagen lernen, auf eine Art und Weise, die die eigene Wahrnehmung berücksichtigt, aber dabei nicht emotional und verletzend rüberkommt. Sich mit wichtigen Fragen konfrontieren, sich zu fragen: „Was will ich eigentlich vom Leben?“  und einige Fragen mehr. In sich hinein fühlen, um wahrzunehmen welches Gefühl sich gerade zeigt, um ein gesundes Grenzbewusstsein zu entwickeln, das sind die Vorgehensweisen die zu einem authentischen Leben führen können.

 

Solch eine Lebensweise ist ein lebenslanger Übungsprozess und nichts, was kurzerhand in einem Wochenendkurs erlernt werden kann. Sehr aufbauend kann es sein, innerhalb einer Gruppe an sich zu arbeiten, sich gegenseitig Mut zuzusprechen und zu lernen, Rückschläge geduldig anzunehmen. Auch um zu erkennen, dass alle am gleichen Strang ziehen, jeder mit den Themen des anderen in Verbindung steht und ein jeder seinen Zeitrahmen braucht, um zu wachsen.

 

Die Frauengruppe "Frausein im Wandel", siehe Veranstaltungskalender, widmet sich im Lebensquell diesen Themen und will bei diesem Prozess unterstützen und begleiten