Los geht`s Treffen bei den Helfensteinen

Besuch beim Kommuja-Netzwerk-Treffen "Los geht`s"

- vom 20 bis 24. Juli 2017

Schon beim Ankommen spürt man die herrliche Atmosphäre rund herum um die Helfensteine in Zierenberg. Seit ich zum ersten Mal hier war, im Jahr 2014 bei einem Treffen von Transition-Town, hatte ich diese malerischen Hügel mit den hoch aufragenden majestätischen Helfensteinen  nicht  vergessen. Als ich davon las, dass das Kommuja-Netzwerk-Treffen „Los geht`s“ in diesem Jahr dort stattfinden sollte, wusste ich, dass ich teilnehmen würde.  Zum Ende des Transition Town Treffens 2014, traten ein paar Lebensbogen-Mitglieder in die Mitte und kündigten an, dass sie sich in diesem Gebäude, dem Helfenstein-Zentrum, niederlassen würden und dass sie gern noch Gemeinschaftssuchende aufnehmen.

 

Das "Los geht`s" findet alle zwei Jahre in einer anderen Gemeinschaft statt, in diesem Jahr hatte das Lebensbogen- Tagungshaus den Zuschlag erhalten. Jetzt freute ich mich für diese Gemeinschaft, dass sie es tatsächlich geschafft und die ersten drei Jahre überstanden hatten. In ihrer Chronik konnte man nachlesen, dass dies mit allerlei Schwierigkeiten verbunden gewesen war, sie sich diesem Prozess positiv gestellt und schließlich alle Hürden genommen hatten. Die Nutzungserlaubnis der Gebäude war z.B. in Frage gestellt, weil Brandschutzauflagen nicht erfüllt waren. Dies wurde kurz nach dem Kauf bekannt, vorher nicht und der Verkäufer wollte den Kauf nicht rückgängig machen. Es ging nicht ohne anwaltliche Unterstützung, um ihr geliebtes Projekt noch zu retten. Am Ende der Auseinandersetzungen war schließlich alles geklärt, die Brandschutzmaßnahmen vom Verkäufer umgesetzt und sie konnten 2015 endlich einziehen. Das Zentrum liegt inmitten eines Waldes, mit einem riesigen Gelände zum Zelten oder Campen (4 Hektar groß).  Alle Möglichkeiten sind hier gegeben, für Tagungsräume und große Gemeinschaftstreffen,  und wie mittlerweile erkennbar, wurden sie von der Gemeinschaft ausgiebig genutzt. Heute ist das Tagungszentrum Lebensbogen ein beliebter Ort für Austauschtreffen und Vernetzungs-Kongresse. Oben links sieht man ein Bild vom Lebensbogen- Tagungshaus.

 

Ausblick von den Helfensteinen in das Tal
Ausblick von den Helfensteinen in das Tal

Das Kommuja-Netzwerk-Treffen findet seit 1999 statt, dort gibt es viele Anlaufstellen für Gemeinschaftssucher, und ein jeder kann dort eine Gemeinschaft nach seinen Kriterien finden. Dafür gibt es eigens einen Marktplatz, einen Raum, in dem Projekte und Gemeinschaften vorgestellt werden. Es werden  Bezugsgruppen gegründet, die für  ca. 14 Personen täglich einen Raum bieten um zu reflektieren, zusammen zu wachsen oder an der Gruppenbildung zu arbeiten. Diese Vorgehensweise zeichnet die Kommuja- Treffen aus.

Meiner Meinung nach ist der Reifungsprozess innerhalb dieser Gruppe sehr fruchtbar.  Er wird begleitet von erfahrenen Mitgliedern einer Kommune, die ihre Vorgehensweise genau beschreiben, so dass man sich ein umfassendes Bild machen kann, wie Gemeinschaft funktioniert.

 

Bei uns waren Volker und Marketa aus der Villa Lokomuna, einer Stadtkommune in Kassel, die Leiter der Bezugsgruppe. Am ersten Tag wurden Kennenlern- Übungen gemacht, am zweiten Tag sprachen wir über Details des Zusammenlebens wie Geldmanagement, Ökonomie, Konfliktpunkte, Konsensfindung.

 

Marketa und Volker von der Villa Lokomuna haben uns in dieser Bezugsgruppe mit viel Feingefühl und Kompetenz begleitet. Wir bekamen tiefe Einblicke und wurden umfassend informiert über Geld-Ökonomie, Netzwerkgeschehen, Projekte, Konsens und viele Herausforderungen die solch ein Gemeinschaftsleben mit sich bringen kann. Zeitgleich wuchsen wir als Gruppe immer mehr zusammen und lernten uns untereinander besser kennen, begleitet durch Gemeinschaftsübungen die von Marketa und Volker angeleitet wurden. Am ersten Tag war eine behindernde Zähigkeit im Umgang miteinander spürbar, wir waren uns als Gruppe noch fremd und die Übungen waren manchmal anstrengend, auch war zwischen den Leitern eine Unstimmigkeit spürbar, die nicht so leicht greifbar war. Später stellte sich dann heraus, dass die beiden am Abend alles geklärt haben, so dass wir am 2ten Tag richtig gut vorankamen.  Diese Form des Miteinanders empfand ich als sehr intensiv und gut geeignet, um Einblicke in die Gemeinschaft von Villa Lokomuna zu erhalten. Viele Menschen die sich Gemeinschaft wünschen, machen sich falsche Vorstellungen, wie solch ein Leben aussieht, denn es geht vorrangig darum immer wieder zu reflektieren, sich diesem Prozess ganz und gar zu stellen, Gefühle und Emotionen zu hinterfragen und wenn möglich gemeinsam zu klären. Dies ist ein ständig begleitender Werdegang, den man bereitwillig gehen sollte und der dazu führt, dass man immer mehr zusammenwächst.

 

Die Bewohner der Villa Lokomuna haben ein System entwickelt für ihre Konsensfindung, welches sich bewährt hat und das sie uns hier freundlicherweise als PDF zur Verfügung stellen (siehe PDF). Für die Konsensfindung wird sich viel Zeit genommen, in der Kasseler Stadtkommune gibt es alle 5 Tage einen Abend, an dem entweder Orga-Fragen geklärt werden, oder die Teilnehmer sich ihren sozialen Interaktionen stellen. Resonanzen werden hinterfragt und jeder hat die Möglichkeiten, seine Diskrepanzen zur Diskussion zu stellen und diese zu klären. Es gibt unterschiedliche Methoden die an diesen Abenden angewendet werden:

  • Die 3 Paar Socken-Methode - dabei kommen drei Paar Socken in die Mitte, jeder der sprechen will nimmt sich ein Paar und kommt dann in der Reihenfolge dran mit sprechen.
  • Das Forum - hierbei geht eine Einzelperson in die Mitte eines Stuhlkreises und berichtet dann von seinen Wahrnehmungen.
  • Befindlichkeitsrunde - jeder kann alles ansprechen was ihn beschäftigt
  • Brain Storming - gemeinsame Ideensuche
  • Konsensfindung - Einverständnis oder Akzeptanz bei gemeinsamen Entscheidungen

Je nach Bedarf werden diese Methoden angewendet um die Themen zu klären, dabei erklärt sich einer der Mitglieder bereit zu moderieren. Oft rotieren die Aufgaben oder Dienste, so dass keine Routine entsteht, sondern jeder einmal drankommt und sich einbringt, z.B. beim Kochen.

 

Download
Erfahrungswerte zum Konsens in der Villa Locomuna
Konsens in der Villa Locomuna.pdf
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Tiefe Einblicke in eine Gemeinschaft

Essens-Zelte
Essens-Zelte

Ein schwieriges Unterfangen scheint die Wahl der neu hinzu kommenden Gemeinschafts-Mitglieder zu sein. Zumeist müssen alle in der Gruppe damit einverstanden sein, wenn ein neues Mitglied zugelassen werden soll. Gibt es eine Ablehnung eines einzigen Gemeinschafts- Mitglieds, wird der Neuanwärter nicht zugelassen, oder es wird noch einmal hinterfragt, was der Grund sein könnte für die innere Abwehr. Für diesen Prozess gibt es zumeist eine Struktur in der geprüft wird, ob alles harmoniert mit den Werten und Zielen der Gemeinschaft. Das kann so aussehen, dass zeitlich festgelegte Besuche und schließlich ein Probewohnen den Anwärter/die Anwärterin immer mehr in die Gemeinschaft einbeziehen, um zu schauen, ober er oder sie geeignet sind und sich harmonisch einfügen.

 

In der Kasseler Gemeinschaft werden alle Gelder zusammengelegt, es gibt eine gemeinsame Vermögens-Ökonomie. Anschaffungen bis 150.- Euro darf jeder ohne Übereinkunft tätigen, Anschaffungen in höheren Bereichen werden gemeinsam erörtert. Dies erscheint mir die größte Herausforderung in einer Gemeinschaft, denn man muss sich daran gewöhnen, nicht mehr ganz frei über seine Mittel verfügen zu können. Der Vorteil dieser gemeinsamen Ökonomie liegt auf der Hand, denn es ergibt sich eine größere Sicherheit, dadurch das alles geteilt wird und alle zusammenlegen. Kommt man in eine Krise, durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit, wird man von der Gemeinschaft aufgefangen und hat bessere Möglichkeiten als in Zweierbeziehungen, sich ohne Zwang neu zu orientieren. Ob die Bezüge und Einlagen der Mitglieder von allen einsehbar sind oder nicht, wird in den Gemeinschaften unterschiedlich gehandhabt.

 

Marktplatz der Möglichkeiten

Am Sonntag gab es dann den "Marktplatz der Möglichkeiten". Jeder hatte die Möglichkeit sich dort am Boden zu positionieren wo er herkam, oder wo er gern eine Gemeinschaft aufbauen würde. Es meldeten sich schließlich ca. 25 Gemeinschaften zu Wort, die weitere Mitglieder für ihre Projekte suchten. Auswahl gibt es also genug, verstreut über ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich.

 

Präsentation vom Lebensquell
Präsentation vom Lebensquell

Links sieht man ein Bild von der Präsentation des Lebensquell-Duderstadt und seinen Räumlichkeiten, auf dem Boden liegend, in der Nähe der Kasseler Stadt-Kommune.

 

Es kamen mehrere Leute die nachfragten wo Duderstadt genau liegt, sie stellten Fragen zum Projekt und ein ehemaliger Duderstädter wunderte sich, dass es sowas in "Duderstadt" gibt, denn er hatte es als erzkonservativ und streng katholisch in Erinnerung. Auch Duderstadt entwickelt sich, gab ich ihm zu verstehen, auch dort gibt es fortschrittliche Tendenzen und den Mut zum Wandel.

 

Viele aus den Großstädten ziehen hierher, weil sie sich dem Charme dieser malerischen Kleinstadt nicht entziehen können. Duderstadt hat immer mehr Besucher, viele Touristen entdecken dieses Kleinod im Eichsfeld und bestaunen die Sehenswürdigkeiten. Alle Besucher die ich bisher befragte, waren begeistert von der vollständig erhaltenen historischen Innenstadt und dem vielen Grün rundherum.

 

 

Plakat Gemeinschaft für Miteinander
Plakat Gemeinschaft für Miteinander

Gleich daneben fand sich eine weiterer Gemeinschaftssucher ein, der ebenfalls aus Duderstadt kommt, Michael Wucherpfennig, der in einer schönen Villa in der Göttinger Straße einen Anfang wagen möchte mit der Idee einer "Gemeinschaft für Miteinander"! Auf rund 330 m² Wohnfläche gibt es Platz zum Experimentieren, gemeinsam Wohnen und sich entfalten. Michael wünscht sich eine Gemeinschaft, in der man sich dem Kern zuwendet, Liebe Mitgefühl, Freude, Sein und Freiheit. Zeit füreinander und eine Kultur des Miteinander. Mit seinem Plakat, dass er auf dem Rücken trug, erntete er entsprechend Aufmerksamkeit und es wäre wünschenswert, wenn er viele Gemeinschaftssucher findet, die mit ihm gemeinsam etwas in Duderstadt aufbauen wollen.

 

Je mehr Menschen diesen Schritt wagen und neue Wege gehen, umso einfacher kann es werden für die Teilnehmer zu sich selbst und damit auch zur Gemeinschaft zu finden. 

Wer es probieren möchte, wende sich bitte direkt an Michael unter der Telefonnummer:  0151 5375 3210 oder unter der E-Mail Adresse: micwuc@web.de.  Auf dieser Webseite gibt es mehr Infos darüber.

 

Planung und Gestaltung

Das Kommuja-Treffen wurde jeden Abend belebt durch Auftritte von Kabarett-Künstlern, einer Musik-Gruppe und dem Auftritt einer Schauspielgruppe, so dass Miteinander und Geselligkeit bis spät in den Abend möglich wurden.  Für die Kinder gab es jeden Tag Unterhaltungsprogramme und gemeinsame Spiele, zwei große Zelte standen dafür zur Verfügung. Da schätzungsweise vorrangig die Altersgruppe um 30 vertreten war, gab es viele Kinder bei diesem Treffen. Das eigentliche Ziel dieser Treffen ist, dass sich die Gemeinschaften vorstellen können und man sich ein Bild machen kann, wo noch Mitglieder gesucht werden und welche Strukturen es gibt. Man kann sich somit klarer darüber werden, was man bevorzugt, wo man gern näher treten, ein Probewohnen ausprobieren möchte oder ähnliches. Eine Familie mit Kindern in unserer Gruppe hatte sich mit dem Wohnmobil auf den Weg gemacht, um unterschiedliche Gemeinschaften auszuprobieren und um am Ende die richtige Wahl treffen zu  können.

 

 

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