Rundbrief mit Rückblick zum Jahresende 2015

Rundbrief Dezember 2015

Liebe Tauschfreunde, Vernetzungskontakte und Besucher des Lebensquell,

 

in der Vorweihnachtszeit spürt man verstärkt das Bedürfnis seine Besitztümer vor dem Fest noch einmal durchzusehen, Überflüssiges auszusortieren, Unbenutztes neu zu platzieren oder weiterzugeben. Dieses Bedürfnis folgt einem wichtigem Prinzip, denn Vieles was einmal wichtig war, will eventuell neu bewertet und eingeordnet werden. So geht es nicht nur mit den Dingen um uns herum, sondern auch mit Erfahrungen und Erlebnissen, denn nicht umsonst sieht man im Fernsehen zum Ende des Jahres Rückblicke für die Verarbeitung von schrecklichen oder besonders schönen Erlebnissen. Es ist wichtig für die persönliche Entwicklung, sich immer wieder zu öffnen für Neues und allem einen neuen Stellenwert zu geben, dabei lernt man ganz nebenbei loszulassen, zu verzeihen oder zu teilen. Im Haus weicht Altes Neuem, oder es wird erst einmal Platz gemacht, damit neue gestalterische Elemente Einzug halten können in der Wohnung oder bei der Kleidung.

 

Dies zeigt sich wiederum in der Waren-Tauschbörse, denn die Idee ein älteres eher ungeliebtes Teil gegen ein begehrtes Objekt tauschen zu können, lässt viele Augen strahlen. Die Beobachtung, dass die Tauschfreunde die sich aktiv auf das Tauschen einlassen, immer wieder fündig werden und freudig mit ihrem Neuerwerb den Lebensquell verlassen, bestätigt unser Konzept und lässt hoffen, dass noch Viele andere die Idee des Warentauschs in der Zukunft nutzen werden. Die Tauschbörse im Lebensquell hat nach über 1,5 Jahren seine Fans gefunden. Manche haben aber noch Vorbehalte und scheuen sich für sich selbst das Tauschen auszuprobieren, diese bitten wir um Warenspenden, denn nur ein Überhang an Waren kann zu einem wirklichen Tauscherlebnis für die führen, die ihre Freude am Tauschhandel haben. Vor kurzem sah ich eine Dokumentation über die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, der Tauschhandel war so beliebt geworden und hatte derart viele Anhänger (denn anders ging es oft gar nicht) dass das Tauschen schließlich verboten werden musste, denn die Leute wollten sich nicht mehr mit Geld abgeben, es war ihnen (relativ) egal geworden. Dieser Effekt war überaus wertvoll, denn die alleinige Fokussierung auf Geld die momentan herrscht, ist äußerst ungünstig. Menschen die nicht so viel davon haben, fühlen sich bei Knappheit leicht ohnmächtig oder an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Tauschen hingegen fördert die Kommunikation untereinander und es tun sich ganz neue Wege auf, um das zu erhalten, was man zum Leben braucht. Geld gehört für mein Empfinden nicht abgeschafft, aber es muss einen neuen Stellenwert erhalten in unserer Gesellschaft.

 

Leider werden gebrauchte Dinge noch immer nicht genug gewertschätzt, zum Beispiel beobachte ich zur zeit in unserer Stadt eine Diskrepanz beim Gebrauchtwaren-Recycling. Der allgemeine Sperrmülltermin wurde vom Landkreis Göttingen abgeschafft, so dass die Sachen nur noch auf Abruf abgeholt werden dürfen. Schließlich landen sie am Sperrmüll-Abholtag direkt in der Müllpresse des Müllautos. Niemand hat mehr eine Chance, sich die Sachen anzusehen oder gar etwas für sich zu retten was er gut gebrauchen könnte. Viele Menschen lebten von den Sperrmüllsammlungen und haben sich am Sperrmülltag für Flohmärkte eingedeckt. Zeitgleich werden jetzt für die Zuwanderer massenhaft gebrauchte Möbel benötigt. Der Landkreis beauftragt deshalb Unternehmer, um Möbel in den zugewiesenen Wohnungen aufzustellen, am liebsten natürlich gebraucht (damit es möglichst billig bleibt). Aber woher sollen die vielen alten Möbel kommen, wenn doch alles sofort vernichtet wird? Die Unternehmer kaufen daher neue Möbel dazu, damit sie die Aufträge des Landkreises Göttingen ausführen und die Wohnungen mit dem Nötigsten ausstatten können. Neue Billig-Möbel schädigen aber wiederum die Umwelt (illegale Rodung in Osteuropa) und die Menschen, die diese zu unsäglichen Bedingungen in Billiglohnländern herstellen - ein Teufelskreis. Sinnvoll wäre es sicherlich für den Landkreis, sich aus den alten noch gut erhaltenen Möbeln Depots aufzubauen und sich anschließend nach Bedarf dort zu bedienen, oder dafür Jemanden zu beauftragen. Es ist traurig mitanzusehen, wie schöne noch brauchbare Möbel und Elektrogeräte zerstört werden.

 

Aber zurück zum Lebensquell - der freie Warentausch zu den Öffnungszeiten wächst und gedeiht, wir bieten zusätzlich unsere Räume zu günstigen Konditionen (oder im Tausch) für die an, die sich entschlossen haben, etwas zum Weltwohl beizutragen und sich zu engagieren. Die festen Tauschtermine (Talente-Tausch, Kleiderkreisel) haben sich bisher nicht wirklich durchsetzen können, immer wieder hören wir das Argument, man habe dafür (leider) keine Zeit, die Idee selbst wird aber befürwortet. Die Konsequenz daraus wird sein, dass die festen Gruppen- Tausch-Termine reduziert werden, dafür aber offene Tausch- Angebote (und Flohmarktregale) angesetzt werden. Schauen wir mal, wie sich das entwickelt im nächsten Jahr.

 

Recyclingwaren, Kunsthandwerk und Sachen aus Dritte Welt, zur direkten Unterstützung ärmerer Länder, gibt es auch weiterhin im vorgelegten Lebensquell-Laden für Nachhaltigkeit, sowie neuerdings das Angebot von Flohmarkt-Fächern zu günstigen Konditionen. Das Konzept der Beratungs- und Vernetzungsarbeit bleibt ebenfalls bestehen, denn dort forschen wir weiter und vertiefen unsere Kontakte.

 

Wir wünschen uns auch für das nächste Jahr so liebenswerte Kunden, freundschaftliche Kontakte und bereichernde neue Bekanntschaften wie in diesem Jahr.

 

Vielen Dank dass Sie bei uns waren (oder von sich hören lassen haben) und eine besinnliche Vorweihnachtszeit

 

Uta-Maria Freckmann
 

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