Was versteht man unter alternativen Wirtschaftsmodellen?

Second-Hand und Tauschmodelle

© Uta-Maria Freckmann 10/2015

 

Im Lebensquell werden „alternative Wirtschaftsmodelle“ erprobt, manche Menschen können damit nichts anfangen, argwöhnen gar, dass das nur leere Worte sind und vermuten, da im Lebensquell (auch) Waren mit Preisauszeichnung stehen „Kommerz“. Dass man auch mit Angriffen rechnen muss, wenn man versucht Veränderungen einzuleiten oder alternative Ideen im sozialen Sektor umzusetzen, habe ich bei meinen Recherchen von mehreren Engagierten gehört. Es geht den aktiven Projektleitern eigentlich nur darum einen fairen Kreislauf herzustellen, der verhindert, dass Menschen ausgebeutet und krank gemacht werden, wie das leider bisher sehr oft geschieht durch die Vorgehensweise großer Konzerne, die weder das Wohl der Arbeiter im Auge haben, noch das der Umwelt.

 

Das große Ganze im Blick behalten

 

Betrachtet man sich die Weltlage, beispielsweise beim Handel mit Kleidung und dem Umgang in Billiglohnländern mit den Näherinnen, bekommt man bei der Recherche erschreckende Einblicke und den unmittelbaren Wunsch, etwas verändern zu wollen. Die Idee im Lebensquell ist, gute Ideen und neue Konzepte zu fördern, oder selbst Kleinsthersteller zu unterstützen durch Verkauf. Das heißt, dass wir die Waren von Kleinstherstellern auf Provisionsbasis anbieten und gute innovative Projekte fördern. Zum Beispiel haben wir Kontakt zu Jyoti Fair-Works aufgenommen, einer Sozialfirma, die in direktem Kontakt mit Frauen in Indien, vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe anbietet. Zwei deutsche Frauen hatten die Idee Industrienähmaschinen zu kaufen und Frauen in Indien im Nähen zu unterweisen. Sie sollen, nach einer angemessenen Einarbeitungszeit, sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, durch den Verkauf von Selbstgenähtem direkt in Deutschland oder Europa. Vertrieb und Design übernahmen die Frauen in Deutschland, in Kooperation mit indischen Frauen.

 

 Die Firma Jute- Team St. Johann, deren Taschen im Lebensquell-Laden verkauft werden, hatte diese Idee schon vor 25 Jahren. Viele Ehrenamtliche arbeiten bei Jute-Team daran, den Selbstwert der Frauen zu stärken, durch direkten Verkauf von handgefertigten Waren. Das funktioniert wunderbar! In Bangladesch gibt es mittlerweile Frauen, die sich ein entsprechendes Ansehen in ihrem Dorf erarbeitet haben, denn sie ernähren durch ihre Hände Arbeit ihre Familien – diese Art der Konzepte gilt es zu mehren, denn sie sind gut und funktionell. Die Frauen werden dabei, nicht wie in vielen Textil-Fabriken im Land ausgebeutet, sondern können ihre Arbeit eigenverantwortlich tun. Jute-Team bietet zudem Unterricht in Frauenrechten und Analphabetismus und wird größtenteils von Ehrenamtlichen unterstützt. Diese initiativen müssen nicht zwangsläufig nur ehrenamtlich sein, Jyoti Fair-Works sieht sich beispielsweise als „Sozialunternehmen“, welches irgendwann die Gründerinnen ernähren kann und für weiteren Zuwachs offen ist. So kann ein gesunder Kreislauf entstehen, der für alle Mitwirkende eine Lebensgrundlage bildet. Manche Menschen verwechseln ehrenamtliches Engagement mit Selbstaufgabe, aber so ist das sicherlich nicht gemeint. Ideen, die ALLEN Mitwirkenden helfen und für alle gut und akzeptabel sind, sind die Konzepte der Zukunft. Es gilt das große Ganze im Blick zu behalten und Modelle auszuarbeiten die allen Beteiligten dienen.

 

 Wenn im Lebensquell - Laden Recycling-Artikel ihren Käufer finden, dient das der Mitwelt, denn wenn im Direktverkauf Jutetaschen angeboten werden, können sich Frauen in Indien von dem Erlös davon ernähren. Das zu wissen tut einem als Käufer gut, denn die Energien, mit denen die Sachen hergestellt wurden übertragen sich unmittelbar auf den Käufer und entfalten ihre Wirkung im Umgang mit dem Produkt. Sehr sensitive Menschen können die Wirkungen auf ihr Energiesystem wahrnehmen und können es teilweise gar nicht ertragen, solch eine Ware an sich zu nehmen und zu nutzen.Das Gefühl im Umgang mit solch einem sauber hergestellten Produkt ist einfach besser, als mit einem Teil welches durch unsägliches Leid hergestellt und vermarktet wurde und dadurch das Ungleichgewicht in der Welt mehrt. Die Schere zwischen Arm und Reich kann nur dann geschlossen werden, wenn es mehr Projekte und Großunternehmen gibt, die dies berücksichtigen.

 

Vermarktung und Strukturen

 Vor kurzem wurde ein Film auf „ Arte“ gezeigt der darüber informierte, dass Frankreich eine führende Rolle übernommen hat, um Großkonzerne auf ihre Verantwortung zurückzuführen. In Frankreich können Konzerne verklagt werden, wenn sie ihren Kunden die Unwahrheit über die Herkunft ihrer Produkte sagen (in Deutschland noch nicht). Manche Konzerne blenden ihre Kunden und veröffentlichen einen Ehrenkodex in dem sie erklären, fairen Handel zu treiben. So engagierte sich eine französische Anwältin und recherchierte direkt in Bangladesh, um nachzuweisen, dass ein Konzern beteiligt war an der Fabrikation in einer maroden Fabrik, die 2013 zusammenbrach und viele Menschen unter sich begrub (die Medien berichteten). Unsägliche und unhaltbare Zustände gibt es in diesen sklavischen Arbeitsstätten, (Schwerst-)Kinderarbeit, Vergiftungen durch chemische Färb- und Gerbstoffe, sowie mangelnde Sicherheitsstandards sind an der Tagesordnung, ganz zu schweigen von den hohen Temperaturen, der schlechten Luft und dem umweltschädigenden Abwasser solcher Fabriken. Hier der Film auf Arte, online zum Anschauen.

 

Noch immer hat all dies keine Folgen für die Fabrikbesitzer oder die europäischen Auftraggeber und solange die Textilien hier unreflektiert gekauft werden und alles möglichst billig sein soll, werden die Investoren wohl auch nichts ändern. Am 28.09.2015 gab es in der Sendung 37° einen Überblick über die Lage der Näherinnen, man sah, dass sich breitflächig nichts geändert hatte an der Situation der Frauen in Bangladesch. Noch immer arbeiten sie im Akkord bis zu 15 Stunden für ein paar Cent pro Tag, der Monatslohn beträgt dann 25.- bis 60.- Euro, davon kann man gerade so in den Slums überleben, mehr aber auch nicht. Da gerade dieses Land immer wieder von Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen heimgeholt wird, ist die Landflucht extrem groß, alles strömt in die Stadt, es gibt somit genug „Menschenmaterial“, um die Billiglöhne aufrecht zu erhalten. Hintergrund ist, dass die Besitzer der Fabriken weder Umweltauflagen, noch Sicherheitsstandards einhalten müssen, sie können quasi machen was sie wollen.

 

Skandale durch Brände oder der Einsturz maroder Fabriken zeigen uns nur die Spitze vom Eisberg. Die Verseuchung ganzer Landstriche und Vergiftung vieler Menschen zieht keine rechtlichen Folgen nach sich, die Leute werden einfach entlassen wenn sie krank oder alt werden, denn hinter jedem Billiglohnarbeitsplatz stehen mehrere Hundert neue Anwärter (OHNE Arbeitsverträge). Das bedeutet konkret für die Frauen, denn meistens sind es NäherInnen die dort arbeiten, ein modernes Sklaventum. Wir Europäer halten uns quasi, dadurch dass wir diese Kleidung kaufen, noch immer unsere Sklaven. Der Unterschied zu früherem Sklaventum ist lediglich, dass wir sie nicht mehr im Haus halten, ihr Leid nicht mitansehen müssen (und dadurch natürlich auch kein Mitgefühl haben und Veränderungen einleiten).

 Übrigens schützt der Kauf von Markenartikeln KEINESFALLS, entgegen der Meinung vieler Verbraucher, vor Missbrauch der ArbeiterInnen. In der Sendung „37°“ kam ganz klar zum Ausdruck, dass dieselben Billiglohn-Fabriken auch die Markenartikel herstellen, der einzige Unterschied ist der GEWINN, der vom Verkauf der Kleidung übrigbleibt. Es sieht also so aus, als ob sich internationale Markenhersteller in noch größerem Maße bereichern, wenn sie ein teures Markenprodukt anbieten, welches in Billiglohnländern hergestellt wird. Mehrere Markenhersteller waren bei der Sendung 37° nicht bereit sich zu äußern, wo und zu welchen Konditionen sie ihre Waren herstellen lassen.

 Der Leiter einer Billig-Kleidungskette in Deutschland rechtfertigte sich in der Sendung „37°“, indem er meinte: „Wir Discounter stehen im Fokus des Interesses. Wir engagieren uns daher noch mehr und kümmern uns um die Arbeitsbedingungen in unseren Fabriken vor Ort, denn wir wollen keinesfalls, dass wir in Misskredit geraten“. Er betonte dabei, dass seine Firma nicht etwa so günstig anbietet, weil sie die Hersteller ausbeutet, sondern weil sie große Einsparungen machen bei Vertrieb (statt Luftfracht Schiffsladungen) und bei der Ladeneinrichtung. Die Strukturen seien sehr effektiv und das Management bereichere sich nicht über Gebühr. Im Arte-Film wird eindeutig nachgewiesen, dass dieser Textil-Hersteller in der zerstörten Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch produzieren lassen hat, bevor sie einstürzte.

 

 Um einen Beitrag zur Veränderung zu leisten, kann man beispielsweise Second-Hand-Kleidung nutzen, denn dieses entlastet die Umwelt durch die Weitergabe, auch Kleiderkreisel, wie im Lebensquell angeboten, bieten gute Alternativen. Damit verhindert man zudem, dass die Kleidung billig in Schwellenländern verkauft wird und damit die jeweilige landeseigene Textilfabrikation zum Erliegen kommt. Wer denkt schon darüber nach, dass Kleidung, die in Containern landet und weniger betuchten Menschen helfen soll, einen gegenteiligen Effekt haben kann? Unsere Welt ist eng miteinander vernetzt, Vieles was in Kleider-Containern landet, hat nicht den gewünschten wohltuenden Effekt für ärmere Menschen, sondern unterwandert natürlich gewachsene Marketing-Strukturen in Schwellenländern, wenn es dort als billige Massenware angeboten wird.

 

 Mittlerweile sind selbst bei uns in Deutschland in manchen Berufen Löhne und Gehälter derart gering, dass die Menschen von ihrer täglichen Arbeit wegen gestiegener Lebenserhaltungskosten nicht mehr leben können, so dass uns das Problem offensichtlich immer mehr einholt....

 

Wird vielleicht auch in unserem Land der Existenzdruck immer größer, damit wir aufwachen und globale Veränderungen herbeisehnen und einleiten?

 

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