Treffen der Terra-Nova Gemeinschaft vom 05. bis 09. November in Leipzig

Terra-Nova-Treffen

05. bis 09. November 2014 - Treffen der Terra Nova Gemeinschaft mit Aktion zum Global Grace Day

© 11.2014 Uta-Maria Freckmann

 

Das Treffen der Terra Nova Leute fand in der Strukturfabrik, Engertstraße mitten in Leipzig statt. Leipzig hat eine einzigartige Atmosphäre, es ist eine Großstadt mit dem freundlichen Ambiente einer Kleinstadt, wobei man eine Aufbruchsstimmung und die kommende Veränderung durch zugezogene Künstler, Querdenker und Aktivisten spürt, für mein Empfinden das ehemalige Berlin von Morgen.

Eine herzliche Atmosphäre erwartete einen, wenn man in den gewölbeartigen Raum eintrat, die Besucher machten es sich je nach Laune auf Stühlen, Matratzen und Kissen bequem. Zu Anfang stellten sich die 5 Mitarbeiter vor, die direkt aus Portugal angereist waren, um ihre Lesereise quer durch Deutschland mit diesem Auftakt-Treffen zu beginnen. Der Begründer der Gemeinschaft Tamera in Portugal Dieter Duhm, hat ein neues Buch geschrieben, welches auf diesem Wege vorgestellt werden sollte, der Titel des Buches lautet „Terra Nova“ und handelt von einer neuen Welt, in der Menschen friedlich zusammenleben. Zudem gab es am Sonntag dem 09.11., dem Global Grace Day, eine Aktion, an der sich die Teilnehmer dieses Treffens beteiligen konnten. Die Mitbegründerin von Tamera, Sabine Lichtenfels hat den Global Grace Day ins Leben gerufen, um mit Mahnwachen, Meditationsaufrufen und anderen Aktionen an den Frieden in der Welt zu erinnern.

 

Für die Teilnehmer dieses Treffens gab es am Abend die Möglichkeit, sich kurz vorzustellen, indem man in die Mitte trat. Die Zeit für die Vorstellung war sehr kurz bemessen, da sich ca. 75 Teilnehmer angemeldet hatten und die Vorstellungsrunde erst nach dem Abendessen begann, nicht alle hatten die Möglichkeit etwas zu sagen, was späterhin von einigen bemängelt wurde. Der Raum in dem die Veranstaltung stattfand war ca. 45m² groß. Hier wurde gegessen, hier fanden Übungen statt, es wurde getanzt und gefeiert und viele nutzten ihn des Nachts als Schlafplatz. Dies war genaugenommen eigentlich schon eine gute Übung um zu schauen, wie man auf engem Raum in einer Gemeinschaft zurechtkommen kann. Die Atmosphäre war durchgehend sehr gut, wobei ich nur von Freitag und Samstag berichten kann, denn am Sonntag war ich nicht mehr anwesend.

 

Wandel durch intensive Gemeinschaftsarbeit

 Die Menschen von Tamera sind intensiv bemüht einen Wandel in Gruppen (und damit in der Welt) zu bewirken, sie versuchen immer wieder einen Konsens zu finden, sie üben das Ego im Auge zu behalten und Gruppen „durchzubringen“. Es wird tatsächlich als „durchbringen“ bezeichnet, wenn eine Gruppe es schafft über einen langen Zeitraum zusammenzuhalten, sich zu bewähren und sich immer wieder mit den Gruppenprozessen auseinander zu setzen. Die Konfrontation mit dem Ego und den inneren Verletzungen hört niemals auf, so ließ eine Gruppenleiterin von Tamera verlauten, aber wichtig ist, dass man dabei bleibt, nicht aufgibt und nicht flüchtet. Dies geht so manches Mal bis an die Substanz und es gehört Durchhaltevermögen dazu, um diesen Prozess durchzustehen. Gemeinschaft ist also kein romantisches Abenteuer, sondern intensive tiefenpsychologische Arbeit, auf die man sich ganz einlassen sollte. Die Teilnahme an der Gemeinschaft in Tamera ist gänzlich frei, man kann jederzeit gehen aber auch wiederkommen wenn und wann man möchte. Die Mitglieder von Tamera haben eine offene Meinung zu Liebe und Sexualität, sie propagieren die „freie Liebe“. Wobei nicht ein sexuell ausschweifendes Leben gemeint ist (man unterscheidet zwischen Liebe und Sexualität), sondern absolute Ehrlichkeit in Beziehungen und Partnerschaften.

 

Die Tamera Gemeinschaft, und die in Leipzig anwesenden Vertreter auf ihrer Terra Nova-Lesereise, haben das Bestreben absolute Ehrlichkeit in Beziehungen zu leben, dazu gehört, nicht mehr zu lügen innerhalb der Partnerschaft und einen neuen Umgang miteinander zu erlernen, wenn sich der Partner von einer anderen Frau oder einem Mann angezogen fühlt. Viele der emotionalen Reaktionen, die man als Mensch zeigt, beruhen auf Verlustängsten und anderen Kindheitserfahrungen, die aber aufgefangen werden können, wenn die Gemeinschaft bereit ist, an den Prozessen des Paares teilzunehmen und den Einzelnen beizustehen. Es geht darum eine Gesellschaft ohne Eifersucht, Neid, Hass und Lügen aufzubauen, das sind hohe Werte und die Leute aus Tamera engagieren sich sehr, um dies umzusetzen. Allein dies ist schon bemerkenswert und verdient entsprechende Beachtung und Anerkennung der Mitwelt.

 

Inneren Frieden finden

 Mittlerweile ist ja schon hinreichend bekannt, dass nur die Veränderung im Menschen selbst, durch inneren Frieden und dem Ende von Hass und Gewalt, auch im Außen eine Welt ohne Krieg und Leid möglich wird. Ein Jeder muss selbst daran arbeiten, seine Innenwelt friedlich zu gestalten. Der Abend fand einen harmonischen Ausklang mit Tanz und Gesprächen im Veranstaltungsraum und Diskussionen über die gemeinsame geplante Aktion am Sonntag am Lagerfeuer. Ja, in Leipzig darf man sogar noch ein Lagerfeuer machen – und das mitten in der Stadt.

 

Am Samstag startete der Tag mit einem selbst gestalteten Gottesdienst, einer kurzen Andacht und einer Gesangsvorführung – ein vierstimmiges Kyrieleison, sehr schön gesungen! Anschließend gab es ein bio-dynamisches Frühstück mit dem wir gut in den Tag starten konnten, es folgte ein längerer Vortrag über das Ansinnen von Terra Nova mit einer kurzen Filmvorführung und interessanten Übungen mit Fragen zum Weltfrieden. Dann wurden die Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt:

  1.  Gruppe, die die noch nie mit Tamera Kontakt hatten und mehr darüber wissen möchten;
  2.  Gruppe, die die schon einmal in Tamera waren;
  3.  Gruppe, die die Interessiert daran wären an der Gemeinschaft teilzunehmen.

Die erste Gruppe ging nach draußen an das Lagerfeuer und konnte den Tamera- Abgesandten Fragen stellen, die anderen beiden Gruppen berieten sich drinnen. In der ersten Gruppe, in der ich mich befand, ging es darum, wie das Studium sich gestaltet, das von der Tamera-Schule angeboten wird und wie die gruppendynamischen Prozesse empfunden werden, wie man auf Streitigkeiten reagiert, ob man schon einmal an seine Grenzen gekommen ist und wie man damit in Tamera umgeht. Das Ergebnis dieser Diskussion war die Erkenntnis, dass man sich keine falschen Vorstellungen von Gemeinschaft machen sollte, indem man denkt, dass ein Leben in Gemeinschaft eine Friede, Freude, Eierkuchen- Angelegenheit ist, sondern es geht dabei um tiefe innerliche Prozesse, denen man sich stellen können muss, um dort längerfristig zu bestehen. Es gibt einen kurzen Sinnspruch, der dies noch einmal bekräftigt:

 

"Man darf von Gemeinschaft träumen

aber Tamera ist nichts für Träumer."

 

Hier ein paar Leitsätze von der Tamera-Homepage:

Tamera ist eine Schule und Forschungsstation für konkrete Utopie

Das Projekt wurde im Jahre 1978 in Deutschland gegründet. Im Jahr 1995 erfolgte der Umzug nach Portugal. Heute leben und arbeiten hier auf einem Gelände von 130 Hektar ca. 170 Menschen. Der erste Gründungsgedanke war die Entwicklung eines gewaltfreien Lebensmodells für Mensch, Tier und Natur. Bald wurde klar, dass im Mittelpunkt dieser Arbeit die Heilung der Liebe und der menschlichen Gemeinschaft stehen muss. Sexualität, Liebe und Partnerschaft müssen befreit werden von Lüge und Angst, denn es kann auf der Welt keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist.

Zu den ökologischen und technologischen Forschungsthemen Tameras gehört der Aufbau einer Retentionslandschaft für die Heilung des Wassers und der Natur sowie eines Modells für regionale Energie- und Lebensmittelautarkie.

Mit dem "Globalen Campus" und der „Schule Terra Nova" arbeiten wir in einem globalen Netzwerk an den sozialen, ökologischen und ethischen Grundlagen für eine neue Erde, Terra Nova.

Langsam entsteht eine Bewegung, die sich an folgenden Leitlinien orientiert:

  • Wiedereinordnung der Menschenwelt in die übergeordnete Welt des Lebens und der Schöpfung
  • Gewaltfreie Kooperation mit allen Mitgeschöpfen. Keine Gewalt gegen Tiere
  • Heilung des Wassers durch den Bau von „Wasser-Retentionslandschaften”
  • Auf dieser Grundlage die Entwicklung von Permakultur und autarker Ernährung
  • Ausstieg aus der Ölwirtschaft. Entwicklung autarker Energiesysteme
  • Aufbau dezentraler Subsistenzwirtschaften
  • Aufbau funktionierender Gemeinschaften
  • Ethik der Wahrheit, der gegenseitigen Unterstützung und der verantwortlichen Teilnahme
  • Beendigung des Geschlechterkriegs und aller sexuellen Erniedrigungen
  • Wahrheit in der Liebe. Kein Betrug in den Partnerschaften
  • Keine Rache. Grace statt Vergeltung

Dies sind Richtlinien einer kommenden Weltgesellschaft mit ihren neuen Universitäten und neuen Siedlungen. Mit ihnen entsteht eine neue planetarische Ordnung, in der alle Wesen unseres Planeten untereinander verbunden sind, denn sie stimmt überein mit jener Weltordnung, die wir die „Heilige Matrix” nennen. [Zitatende]

 

Vision - gegen den Wind

 Wie immer wenn neue Ideen in die Welt kommen, gibt es eine Gegenkraft, die vernichtend oder zerstörerisch auf das Neue einwirkt. So hatten die Begründer von Tamera, Sabine Lichtenfels und Dieter Duhm sich zu Beginn in Deutschland mit dem Vorwurf eine „Sekte“ zu sein auseinander zu setzen. Weil in Deutschland offensichtlich viele Menschen zur damaligen Zeit noch nicht mit den neuen Ideen zum Weltfrieden und Frieden in Gemeinschaften und Partnerschaft umgehen konnten, beschlossen die beiden Gründer von Tamera 1995 in Portugal ein neues Domizil aufzubauen und von dort aus ihrer Vision zu folgen. Sabine Lichtenfels ist heute eine anerkannte Friedensbotschafterin, die schon einmal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Wer das Konzept von Tamera nicht versteht, sollte vorsichtig sein mit diffamierenden Aussagen, denn diese Gemeinschaft lässt jeden völlig frei in seinem Tun oder Nicht-Tun und lässt sich nicht allein auf sexuelle Leitziele herunterbrechen. Über allem steht die Suche nach Freiheit, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und eine funktionierende, einander liebevoll zugewandte neue Gesellschaft.

Die Tamera-Gemeinschaft aus Portugal arbeitet an einer neuen Welt – Terra Nova- sie ist so weit innerlich gefestigt, um die Botschaft nach Deutschland und in die Welt zu tragen. Diese Auftaktveranstaltung war sehr friedvoll, die Tameraner sind bekannt dafür, dass sie sich für Wahrheit in Sexualität und Liebe einsetzen.

Was mich besonders berührt und inspiriert hat war die Vorstellung einer jungen Frau am ersten Abend die sich in die Mitte stellte und sagte, sie habe den Glauben daran, dass Gruppen und damit Gemeinschaften funktionieren könnten momentan verloren, denn ihre Gruppe hatte sich gerade aufgelöst. Mit Tränen in den Augen verließ sie die Mitte und auch die späteren Gespräche mit anderen Teilnehmern ließen mich zu der Erkenntnis kommen, dass zu diesem Thema noch viel Bedarf für Austausch sein könnte. Jede zerbrochene Gruppe, in der die Gründe des Scheiterns richtig ausgewertet und verarbeitet werden, bedeutet eine Quelle der Inspiration und des Lernens für die, die ebenfalls Gruppen gründen möchten. Jede gelungene Gruppe hat Lernprozesse durchgemacht und konkrete Strukturen erarbeitet, die für andere eine große Hilfe sein können beim Aufbau von neuen Gruppen. Deshalb kam die Idee auf, in Kürze ein Treffen im Lebensquell zu veranstalten, mit Teilnehmern unterschiedlicher Gemeinschaften, um diese von ihren Gruppenprozessen berichten zu lassen, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Ein Erfahrungsaustausch speziell zu der Dynamik von Gruppenprozessen, ein Symposium im Lebensquell-Duderstadt zu dem Thema:

 Wie können Gruppen/ Gemeinschaften gelingen?

 Einige Teilnehmer mit denen ich über diese Idee sprach, waren sehr angetan und haben ihr Kommen zugesagt.

 

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