Transition-Town-Treffen im Zentrum Helfensteine

Städte im Wandel mit Transition-Town

03. und 04. Oktober 2014 - Transition-Town-Treffen im Zentrum Helfensteine

 

Ein durchweg positives Transition-Town-Treffen liegt hinter mir, eine angenehme Atmosphäre herrschte in dem Seminarzentrum Helfensteine in der Nähe des Kraftorts Helfensteine in Zierenberg bei Kassel.

 

Lange habe ich überlegt, wie man Transition-Town beschreiben und in seiner Gesamtheit erfassen kann, denn die Initiativen sind vielfältig und jede Stadt hat ihre eigenen Projekte. Diese Bewegung ist organisch und wächst mit sich und seinen einzelnen Initiativen zu einem ganzheitlichen verbindenden großen Ganzen heran. Dabei ist in dem gesamten Geschehen eine Stimmung spürbar, die zeigt, dass der Wandel in vollem Gange ist und das Engagement der Teilnehmer groß ist. Es geht dabei um veränderte Strukturen in der Welt und im Umgang miteinander.

 

Leben im Miteinander

Gelebte Nachbarschaftlichkeit, unterstützende Aktionen für schwächere Mitbürger, Kräftebündelung, Ökologie und Nachhaltigkeit, Alternativen zum bestehenden Geldsystem (Tauschen, Schenken, Leihen, Teilen, lokales Geld), neue robuste und frei verfügbare Technologien, Klimawandel und erneuerbare Energien sind nur einige Stichworte, die hier zum Tragen kommen. Viele Menschen träumen von einer neuen, anderen, menschlicheren Welt. Die Idee der Transition-Towns mit den vielen kleinen und großen freiheitlichen Perspektiven wird dazu beitragen. In jeder Transition Town Initiative werden Konzepte ausgearbeitet von kreativen Köpfen, die die Welt ein bisschen schöner machen. Je mehr Städte daran teilnehmen, umso schöner wird es auf unserem Planeten und es entsteht ein großes Feld, mit einer Aufbruchsstimmung die ansteckend wirkt und andere zum teilnehmen und mitmachen motiviert. Über die Strukturen von Transition-Town wurde auf diesen Treffen intensiv debattiert und es wurde unter anderem überlegt, wie man die Bewegung an die Unis bringen könnte. Kleine Projekte mit umweltstärkenden Aspekten gab es viele und die vorgetragenen Projekte wirkten inspirierend.

 

Der Lebensquell-Stand

Zwei Tage habe ich mich auf dem Treffen aufgehalten, das gesamte Treffen dauerte drei Tage, die Sonne schien jeden Tag und es wehte eine sanfte Brise, herrliche Voraussetzungen für solch ein Event. Am ersten Tag gab es für die einzelnen Initiativen die Möglichkeit einen Stand aufzubauen, um in einen Austausch miteinander zu gehen und sich zusätzlich in einer 5 minütigen Präsentation vorzustellen. Das gelang schon recht gut, aber man fragte sich zum Teil, wo die Zuschauer geblieben sind, denn nach den Workshops genossen viele lieber die Sonne, anstatt in der Halle den Vorstellungen zuzuhören. Hier wäre eventuell eine festgelegte Pausenzeit zwischen den Workshops und Seminaren geeignet gewesen, um anschließend die Teilnehmer in der Halle sich versammeln zu lassen.

Es gab ca. 20 Stände, der Lebensquell-Stand wurde interessiert begutachtet und es gab erste Kontakte und neue Verbindungen. Mehrere Dozenten fragten, ob sie im Lebensquell einen Vortrag halten könnten, man hörte von weiteren Aktivitäten und Versammlungen, oder wir tauschten uns über unsere Ideen und eine mögliche Zusammenarbeit aus. Am zweiten Tag gab es „Open Space“ – so benannte man die Gruppenarbeit, die durch viele freie Gruppen entstand, man konnte als Teilnehmer jede Gruppe besuchen, sich Inspirationen holen und seine Ideen einfließen lassen. Diese Form der Gruppentätigkeit ist sehr informativ, durch den freien Wechsel entstand keinerlei „Bleibezwang“ und man konnte sich so einen umfassenden Überblick verschaffen. 

 

Austausch und Konsensfindung

Am zweite Tag gab es diverse Angebote an denen man teilnehmen konnte, diverse Themengruppen zum Beispiel zur Konsensfindung, Urban Gardening, Terra Preta, Ideen zur Begrünung von Städten und eine Strukturgruppe. Ich entschied mich an einer Konsensfindung mittels eines Kartenspiels (Sonnenschlüssel) teilzunehmen. Die Autorin der Karten erklärte kurz, dass dieses Kartenspiel die Konsensfindung enorm verkürzen würde. Wo man ansonsten mehrere Tage braucht um ein Einvernehmen zu finden, verkürzt sich alles mittels der Karten auf einen oder einen halben Tag. Durch die Fragestellung der Karten werden die Teilnehmer immer wieder zentriert und anfangs erschien es mir tatsächlich eine Hilfe zu sein. Wir wählten das Thema Transition Town Treffen – Verbesserungen und Änderungswünsche. Eine Teilnehmerin bemängelte, dass die Teilnahmegebühr so teuer sei, dass viele sich das einfach nicht leisten konnten und deshalb weggeblieben seien. So kam die Frage auf, ob ein Treffen beim nächsten Mal kostengünstiger oder ganz umsonst stattfinden sollte, um allen den Zugang zu ermöglichen.

 

Auch unter der Prämisse, dass mich manch einer als seltsam betrachten mag, ist meine Erfahrung die, dass eine niedrigere Teilnahmegebühr (es kostete 30.- Euro pro Tag) Menschen anzieht die eher Nehmerqualitäten haben könnten und deren Einsatz für die Sache dann zu wünschen übrig lassen könnte. Die Atmosphäre an diesen Tagen war ausgesprochen gut und es entstand ein effektiver Austausch, so dass ich mir keinesfalls ein anderes Klientel gewünscht hätte. Diese Meinung gab ich bekannt, auch dass, so wie ich das getan hatte, man sich ja auch nur einen oder zwei Tage gönnen könnte, und man somit die Veranstaltung mehr wertschätzen würde.  Die Fragekarten wurden immer reihum gestellt und alle anderen wünschten sich freien oder verminderten Eintritt, damit jeder teilnehmen könnte. Aufgrund meiner Erfahrung wusste ich, das Masse bei solch einem Treffen nicht gleich Klasse ist, ganz besonders nicht auf einem Event wo man kreative Neuentwürfe, für alle geeignete Strukturen finden muss und nachdenken möchte über eine bessere Welt. Nach der zweiten Runde, ich blieb immer noch bei meiner Meinung und begründete sie, wurde ich schon seltsam angesehen, beinahe so als wäre ich versnobbt oder dünkelhaft, auch die Kommentare entwickelten sich dahingehend, dass man allgemein Unverständnis dafür hatte, dass ich meinen Standpunkt begründete. Manche waren der Meinung, dass man mehr Familien mit Kindern hätte einladen müssen, um die Buntheit und Vielfalt des Events noch größer zu machen. Für mein Empfinden ging es hier aber um ganz etwas anderes, nicht um Familienidylle oder Spaß haben.

 

Es entstand ein großer Gruppendruck, dem standzuhalten mir Runde für Runde mehr zu schaffen machte. Ich suchte schon nach Auswegen, wollte einfach abbrechen oder unter einem Vorwand aufstehen, als die Gruppenleiterin die Konsensfindung beendete, weil die Zeit um war. PUUH, dachte ich mir und war froh, dass Alles vorbei war. Mein Resumee aus dieser Gruppenarbeit war, dass diese Form der Konsensfindung mir zu zwanghaft ist und der Gruppendruck der entstehen kann zu groß, wenn man eine andere Meinung als die Masse hat. Möglicherweise muss ich ja noch lernen mehr Druck auszuhalten, das mag sein, aber diese Vorgehensweise würde, so glaube ich, bei mir nur dazu führen, dass ich lieber nicht in einer Gruppen leben wollen würde.

 

Vielfalt und Gemeinschaft

Alle Erfahrungen und Ideen zusammen genommen, in seiner Vielfalt und selbstorganisierten Art und Weise, ergibt Transition-Town. Die Befreiung aus der Resignation und aus krisenfokussierten Zeiten ist ein weiteres Ziel vieler teilnehmender Transition-Städte. Es waren zukunftsträchtige Initiativen dabei und man schöpfte Hoffnung, dass die Intensität des Aufbruchs und Wandels schon so weit fortgeschritten ist, dass sich alles in nächster Zeit zum Guten wandeln wird.  Seit kurzem befindet sich auch „Duderstadt im Wandel“, denn diese neuzeitliche, freie Form der Veränderung mit den vielen kleinen Einzelinitiativen passt gut zum Lebensquell, deshalb bin ich dieser „Nichtorganisation“ für eine Zeitlang beigetreten.

 

Sicherlich wird Transition-Town in den nächsten Jahren noch mehr Zuspruch erhalten, die Organisation war sehr gut, Mithilfe der Teilnehmer wurde gern gesehen und auch von Vielen angeboten. Die einmalige Atmosphäre die dort herrschte, hatte sicherlich sehr viel mit dem Ort zu tun, an dem dieses Event stattfand, man spürte die Nähe des Waldes und den naheliegenden Kraftort Helfensteine. Alles in Allem beste Voraussetzungen um inspiriert und bereichert zu werden.

 

 

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